Qualitätspreis Berlin/Brandenburg
Blumentopf-Image: Guter Preis - wenig Beachtung
Keine Politikgröße, keine PR, keine Party: Der Qualitätspreis Berlin/Brandenburg wird sehr vernachlässigt. Das beklagen die Sieger des Wettbewerbs 2004 auf einer Podiumsdiskussion. Wieso das ihrer Meinung nach anders sein müsste, weiß biz-AWARDS.
Der Geschäftsführer der Großreinigungsfirma GRG, Stephan Schwarz, sitzt auf der Tribüne. Er ist einer von den drei Wettbewerbsgewinnern 2004, die mit zwei Organisatoren über die Qualität des Qualitätspreises diskutieren.
Und Schwarz nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch wenn nur wenig Publikum am Abend des 15. Dezembers erschienen ist, um etwas über die Wirkung des Qualitätspreises 2004 zu erfahren.
Enttäuschendes Renommee
Höflich, aber bestimmt stellt Schwarz fest: "Der Qualitätspreis Berlin/Brandenburg hat kein Renommee. Diesem hochkarätigen Preis fehlt es an Wertschätzung."
Anders sei das beim Großen Preis des Mittelstands: Den diesjährigen Preis verlieh die Oskar-Patzelt-Stiftung auf einer großen Abendgala im Estrel Convention Center Berlin. "Nur" Ministerpräsident Platzeck war anwesend. Letztes Jahr besuchte der damalige Wirtschaftsminister Clement den Ball.Der "European Quality Award"
Der unbekannte Preis
Wer mit dem Großen Preis des Mittelstands ausgezeichnet wird, kann sich damit schmücken: Der Preis ist bekannt, sicher auch wegen seiner glamourösen Siegerehrung.
Ganz anders der Berlin-brandenburgische Preis für besondere Leistungen im Qualitätsmanagement: Damit sei bei Kunden kein Blumentopf zu gewinnen.
Es mache keinen Sinn, sich als Unternehmer mit dieser Auszeichnung zu schmücken. Kaum jemand kenne den Preis und wisse, was dahinter steckt.Die Seiten von GRG
Der verkannte Preis
Der Qualitätspreis Berlin/Brandenburg ist aber alles andere als ein Blumentopf-Preis. Unter Insidern gilt er sogar als einer der anspruchsvollsten Qualitätspreise Deutschlands:
In insgesamt sieben Bundesländern existiert ein so genannter "Qualitätspreis". In fünf davon erfolgt der Wettbewerb nach dem europäischen Bewertungsmodell EFQM, darunter auch der Berlin/Brandenburger Preis.
Doch nur die Berlin/Brandenburger bilden Bewertungs-Assessoren aus und setzen sie ein, nämlich nach den Qualitätskriterien des bundesweiten Ludwig-Erhard-Preises:
Damit bietet der Preis die professionelle Eigen- ebenso wie die Fremdbewertung eines Unternehmens durch geschulte Assessoren.
Größter Kritiker ist größter Fan
Schwarz selbst zählt zu den größten Fans des Preises: Seit er sein Unternehmen auf Qualitätsmanagement umgestellt hat, konnte sich die Reinigungsfirma GRG in der schwer umkämpften Reinigungsbranche exzellent behaupten.
Der Umsatz von GRG stieg seit Einführung des Qualitäts-Managements um 25 Prozent. Gleichzeitig schuf Schwarz damit die Voraussetzung für regionale Expansionen:
In Lübeck und München übertrug der Geschäftsführer die komplette Berliner Struktur. "Damit hatten wir sofort einen Wettbewerbsvorteil", sagt Schwarz.
In der Kundenzufriedenheit liegt GRG seit der Einführung des Qualitätsmanagements auch ganz vorne: Über 94 Prozent aller GRG-Kunden empfehlen das Unternehmen aktiv weiter. Das ist das Ergebnis der GRG-Fragebögen, die übrigens Teil des Qualitätsprogramms sind.
Qualität als Marathonlauf
Seinen Siegerkollegen Lutz Karnauchow und Dieter Jeschonnek ging es in deren Branchen ähnlich. Alle drei betonen allerdings, dass die Einführung des Qualitätsmanagements sehr viel Zeit brauche: Es umfasse das ganze Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter.
Die Qualitätskarriere der GRG zum Beispiel ist über 10 Jahre alt: 1994 fasste Schwarz den Entschluss, sein Unternehmen auf Qualitätsmanagement umzustellen. Die erste externe Qualitätsprüfung fand ein Jahr später statt: Nach den Standards des europäischen Qualitätsmanagement-Systems ISO 9001.
1998 integrierte Schwarz das Umweltmangagement in sein Qualitätsmanagement und gewann prompt den Umweltpreis der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU).
2001 entschied sich Schwarz für die Einführung des EFQM. Ein Jahr später erhielt die GRG eine Auszeichnung im Qualitätswettbewerb Berlin/Brandenburg. 2003 bewarb sich das Unternehmen beim Ludwig-Erhard-Preis, allerdings ohne einen Preis zu erhalten.
Doch 2004 kam es wieder zu einer Auszeichnung im Qualitätswettbewerb Berlin/Brandenburgs. Die eigene Bewerbung bei diesem Länderpreis im Jahr 2006 steht für Schwarz jetzt schon fest.
Viel Arbeit für ein Unternehmen, das wie die Großreinigungsfirma GRG über 2.200 Mitarbeitern beschäftigt. Dafür wirkt das Qualitätsprogramm umfassend und nachhaltig. Und macht schnell süchtig: Süchtig nach Qualitätsverbesserung.
Schwarz sagt: "Es geht ja nicht darum, Preise zu gewinnen. Das ist ein Nebenschauplatz. Der eigentliche Wettbewerb findet in der Wirtschaft statt: Das Ziel ist es, das Unternehmen immer mehr voranzubringen. Und Erfolge treiben an."
Was beim Großen Preis des Mittelstands selbstverständlich sei, davon könnten Berlin und Brandenburg nur träumen, sagen die Geschäftsleute: Der Landesvater schlürfe mit den Siegern auf einer glamourösen Preisverleihungs-Gala Sekt. Und die Presse berichtet.
Der Berliner Senat und der brandenburgische Wirtschaftsminister Junghans haben sich nach Angaben des Veranstalters angekündigt. Ob sie den zukünftigen Gewinnern auch eine glamouröse Gala bieten, um den Preis bekannter zu machen, wird man sehen.
Der Geschäftsführer der Großreinigungsfirma GRG, Stephan Schwarz, sitzt auf der Tribüne. Er ist einer von den drei Wettbewerbsgewinnern 2004, die mit zwei Organisatoren über die Qualität des Qualitätspreises diskutieren.
Und Schwarz nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch wenn nur wenig Publikum am Abend des 15. Dezembers erschienen ist, um etwas über die Wirkung des Qualitätspreises 2004 zu erfahren.
Enttäuschendes Renommee
Höflich, aber bestimmt stellt Schwarz fest: "Der Qualitätspreis Berlin/Brandenburg hat kein Renommee. Diesem hochkarätigen Preis fehlt es an Wertschätzung."
Anders sei das beim Großen Preis des Mittelstands: Den diesjährigen Preis verlieh die Oskar-Patzelt-Stiftung auf einer großen Abendgala im Estrel Convention Center Berlin. "Nur" Ministerpräsident Platzeck war anwesend. Letztes Jahr besuchte der damalige Wirtschaftsminister Clement den Ball.Der "European Quality Award"
Der unbekannte Preis
Wer mit dem Großen Preis des Mittelstands ausgezeichnet wird, kann sich damit schmücken: Der Preis ist bekannt, sicher auch wegen seiner glamourösen Siegerehrung.
Ganz anders der Berlin-brandenburgische Preis für besondere Leistungen im Qualitätsmanagement: Damit sei bei Kunden kein Blumentopf zu gewinnen.
Es mache keinen Sinn, sich als Unternehmer mit dieser Auszeichnung zu schmücken. Kaum jemand kenne den Preis und wisse, was dahinter steckt.Die Seiten von GRG
Der verkannte Preis
Der Qualitätspreis Berlin/Brandenburg ist aber alles andere als ein Blumentopf-Preis. Unter Insidern gilt er sogar als einer der anspruchsvollsten Qualitätspreise Deutschlands:
In insgesamt sieben Bundesländern existiert ein so genannter "Qualitätspreis". In fünf davon erfolgt der Wettbewerb nach dem europäischen Bewertungsmodell EFQM, darunter auch der Berlin/Brandenburger Preis.
Doch nur die Berlin/Brandenburger bilden Bewertungs-Assessoren aus und setzen sie ein, nämlich nach den Qualitätskriterien des bundesweiten Ludwig-Erhard-Preises:
Damit bietet der Preis die professionelle Eigen- ebenso wie die Fremdbewertung eines Unternehmens durch geschulte Assessoren.
Größter Kritiker ist größter Fan
Schwarz selbst zählt zu den größten Fans des Preises: Seit er sein Unternehmen auf Qualitätsmanagement umgestellt hat, konnte sich die Reinigungsfirma GRG in der schwer umkämpften Reinigungsbranche exzellent behaupten.
Der Umsatz von GRG stieg seit Einführung des Qualitäts-Managements um 25 Prozent. Gleichzeitig schuf Schwarz damit die Voraussetzung für regionale Expansionen:
In Lübeck und München übertrug der Geschäftsführer die komplette Berliner Struktur. "Damit hatten wir sofort einen Wettbewerbsvorteil", sagt Schwarz.
In der Kundenzufriedenheit liegt GRG seit der Einführung des Qualitätsmanagements auch ganz vorne: Über 94 Prozent aller GRG-Kunden empfehlen das Unternehmen aktiv weiter. Das ist das Ergebnis der GRG-Fragebögen, die übrigens Teil des Qualitätsprogramms sind.
Qualität als Marathonlauf
Seinen Siegerkollegen Lutz Karnauchow und Dieter Jeschonnek ging es in deren Branchen ähnlich. Alle drei betonen allerdings, dass die Einführung des Qualitätsmanagements sehr viel Zeit brauche: Es umfasse das ganze Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter.
Die Qualitätskarriere der GRG zum Beispiel ist über 10 Jahre alt: 1994 fasste Schwarz den Entschluss, sein Unternehmen auf Qualitätsmanagement umzustellen. Die erste externe Qualitätsprüfung fand ein Jahr später statt: Nach den Standards des europäischen Qualitätsmanagement-Systems ISO 9001.
1998 integrierte Schwarz das Umweltmangagement in sein Qualitätsmanagement und gewann prompt den Umweltpreis der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU).
2001 entschied sich Schwarz für die Einführung des EFQM. Ein Jahr später erhielt die GRG eine Auszeichnung im Qualitätswettbewerb Berlin/Brandenburg. 2003 bewarb sich das Unternehmen beim Ludwig-Erhard-Preis, allerdings ohne einen Preis zu erhalten.
Doch 2004 kam es wieder zu einer Auszeichnung im Qualitätswettbewerb Berlin/Brandenburgs. Die eigene Bewerbung bei diesem Länderpreis im Jahr 2006 steht für Schwarz jetzt schon fest.
Viel Arbeit für ein Unternehmen, das wie die Großreinigungsfirma GRG über 2.200 Mitarbeitern beschäftigt. Dafür wirkt das Qualitätsprogramm umfassend und nachhaltig. Und macht schnell süchtig: Süchtig nach Qualitätsverbesserung.
Schwarz sagt: "Es geht ja nicht darum, Preise zu gewinnen. Das ist ein Nebenschauplatz. Der eigentliche Wettbewerb findet in der Wirtschaft statt: Das Ziel ist es, das Unternehmen immer mehr voranzubringen. Und Erfolge treiben an."
Positive Sucht
Diese Sucht gelte es zu unterstützen: Der Preis, der Qualität auszeichnet, muss bekannter gemacht werden, da sind Schwarz, Karnauchow und Jeschonnek einer Meinung.Was beim Großen Preis des Mittelstands selbstverständlich sei, davon könnten Berlin und Brandenburg nur träumen, sagen die Geschäftsleute: Der Landesvater schlürfe mit den Siegern auf einer glamourösen Preisverleihungs-Gala Sekt. Und die Presse berichtet.
Sekt oder Selters?
Aber was in Berlin/Brandenburg nicht ist, kann ja noch werden: Voraussichtlich am 24. August 2006 wird die Preisverleihung zur derzeitigen Ausschreibung stattfinden.Der Berliner Senat und der brandenburgische Wirtschaftsminister Junghans haben sich nach Angaben des Veranstalters angekündigt. Ob sie den zukünftigen Gewinnern auch eine glamouröse Gala bieten, um den Preis bekannter zu machen, wird man sehen.
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