Landespreis für junge Unternehmen

Erst richtig beraten, dann erfolgreich eine Firma übernehmen



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Michael Jauss (links) und Matthias Wendler von KWO Kunststoffteile
Michael Jauss und Matthias Wendler wagen mit der Übernahme der KWO Kunststoffteile GmbH den Schritt in die Selbstständigkeit – und finden ihren Traumjob. Das Duo setzt auf modernes Qualitätsmanagement und den Faktor Innovation.


Mit der gelungenen Betriebsnachfolge gewinnen die beiden nicht nur neue Kunden, sondern auch den Zusatzpreis und 15.000 Euro Preisgeld beim "Landeswettbewerb für junge Unternehmen" Baden-Württemberg.

biz-AWARDS sprach mit Michael Jauss über Überzeugungsarbeit bei den Banken, Schwierigkeiten bei der Übernahme und das neue Konzept des Automobilzulieferers KWO.

Aus Beratern werden Beratene
Der promovierte Kunststoffingenieur Jauss und der gelernte Ökonom Webdler lernten sich als Kollegen bei der Boston Consulting Group kennen. Während der 2 ½- jährigen Zusammenarbeit reifte die Idee, eigene Verantwortung zu übernehmen und sich an eine Firmenübernahme zu wagen.

Sie kündigten und begannen 2004 mit dem Businessplan im Gepäck die Suche nach einer geeigneten Investitionsquelle. "Unser Zeithorizont für eine Übernahme sollte drei bis fünf Jahre betragen", sagt Jauss gegenüber biz-AWARDS.

Bereits nach kurzer Zeit erhielten die ehemaligen Beratern den Tipp, die KWO Kunststoffteile GmbH in Offennau zu übernehmen. "Als Kunststoffingenieur wollte ich natürlich am liebsten in das produzierende Gewerbe. Da war die KWO ein echter Glücksfall und wir haben zugegriffen", erinnert sich Jauss.

Auf dem Weg zur endgültigen Übernahme stand den beiden aber lange Überzeugungsarbeit bei Banken und Beratern bevor.

Elf Monate Überzeugungsarbeit
"Mit unseren eigenen Mitteln hätten wir eine Finanzierung nicht bewältigt. Banken sind aber eher risikoscheu und verlangen entsprechende Qualifikationen und am besten Branchenerfahrung", so Jauss.

Aufgrund ihrer Unbekanntheit mussten sich Jauss und Wendler erst das Vertrauen der Geldgeber erarbeiten. "Unsere Erfahrungen aus der Unternehmensberatung brachten uns sicherlich einen Bonus. Trotzdem sind wir hundertprozentig ins persönliche Risiko gegangen und machten auch Abstriche. Viele andere Bieter sind dazu nicht bereit, vor allem beim Kaufpreis", wie Jauss aus eigener Beobachtung weiß.

Trotzdem vergingen vom Beginn der Verhandlungen bis zum Vertragsabschluss im März 2005 knappe elf Monate, in denen den Unternehmern auch Fehler unterliefen.

Ohne klare Sprachregelung läuft es schwerer
"Wir haben den Aufwand am Anfang unterschätzt", sagt Jauss im Gespräch mit biz-AWARDS. "Wir hatten zwar ein großes Bankenkonsortium, aber keinen Konsortialführer bestimmt, der die Konditionen übernimmt. So verliefen viele Gespräche thematisch sehr ähnlich."

"Am besten spart man nicht an der falschen Stelle und klärt die Mitspracherechte der Geldgeber so früh wie möglich. Ein gutes Finanzierungskonzept ist ja unerlässlich. Daher sollten Anwälte und Wirtschaftsprüfer sehr sorgfältig ausgesucht werden, um die Alteigentümer stimmig zu überzeugen."

Intelligente Finanzierung

Nach Jauss ist am Ende eine "sehr intelligente" Finanzierungsstruktur entstanden, die auf eine Mischung aus Eigenkapital, Förderprogrammen, Mezzanine-Kapital und Fremdkapital aus der eigenen Hausbank setzt. "Im Eigenkapital steckt alles, was wir uns jemals erarbeitet haben."

Venture-Capital-Gesellschaften kamen als Finanzierer für die Unternehmer aufgrund der Größe und Struktur von KWO nicht in Frage. "Die wollen ihre Beteiligung nach wenigen Jahren durch Börsengang oder Verkauf wieder versilbern. Das wollen wir aber nicht", sagt Jauss.

Im März 2005 war es dann endlich soweit. Die Jungunternehmer bekamen die Schlüssel der KWO überreicht und begannen sofort mit der Modernisierung.

Gleicher Name, Neues Unternehmen
"Mit Versammlungen in kleinen Runden und dem direkten Kontakt in der Produktion bauten wir zuerst Vertrauen zu den 100 Mitarbeitern auf. Sie waren ja froh, dass die Lichter nicht ausgingen", erinnert sich der ehemalige Berater.

Dennoch ließen Jauss und Wendler bildlich gesprochen "kein Stein auf dem anderen. Als eine der ersten Maßnahmen führten wir unser neues integriertes Total-Quality-Management 'ITQM' ein. Alle wertschöpfenden und unterstützenden Prozesse wie Controlling und Prozessmanagement werden jetzt genau gemessen und dann umgesetzt", erklärt Jauss.

Controlling überzeugt die Kunden

"Unser Controlling-System rechnet die Schlüsselkennzahlen eines Bereichs wie die Qualität der Kunststoffteilefertigung in PPM (part per million) um. Monatlich vergleichen wir dann die Werte aller Bereiche und richten unsere Arbeit danach aus."

So gelang es dem neuen Führungsteam, die Kunden von ihrer Arbeit zu überzeugen. "Unsere Auslastung erreicht derzeit ein Rekordniveau. Bereits die Hälfte des kommenden Jahres ist ausgebucht", so Jauss.

Innovationen sind Chefsache
Ein weiterer zentraler Punkt der neuen Firmenstrategie ist die Konzentration auf eigene Neuerungen. Für Jauss sind Innovationen und Projektmanagement Chefsache: "Wir wollen nur realistische Produkte verkaufen. Deshalb gehört Vertrieb und Engeneering ist eine Hand – in die des Chefs."

Eines der ersten Patente ist ein neues Stammformwerkzeug mit Schnellwechselsystem. "Die hohe Standardisierung des Werkzeugs bringt uns eine Zeitersparnis von 20-30 Prozent. Mit mechanischem Rüsten dauerte es bisher 20 Minuten. Jetzt brauchen wir dank der einfachen Handhabung nur noch 2 Minuten", so Jauss.

Qualität statt Preiskampf

""Wir denken beide, dass der Mittelstand in Deutschland die besten Ideen hat und setzen deshalb auf Qualität statt niedrigem Preis", sagt Jauss zu biz-AWARDS.

Mit dem neuen Duo an der Spitze und dem Motto "Leistung muss sich lohnen" produziert KWO inzwischen jährlich 150 Millionen Kunststoffteile und erreicht einen Umsatz von 12 Millionen Euro.

Kontakt:
KWO Kunststoffteile GmbH
Talweg 9 - 13
74254 Offenau

Tel.: 071 36 / 95 04 - 0
Fax: 071 36 / 95 04 - 30
info@kwo-kunststoffteile.de
www.kwo-kunststoffteile.de

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