Hessischer Gründerpreis

Mit dem Sandstrahler auf der Kirchturmspitze



Marburger.jpg
Manuel Marburger (Foto: Kletter- Spezial-Einheit)
Manuel Marburger wollte hoch hinaus: 2002 gründete er mit einem Freund, einem Seil und Klettergurt die "Kletter-Spezial-Einheit" Hanau. Seitdem führt der 33-Jährige schwierige Höhenarbeiten aus, zum Beispiel an Kirchtürmen und Stadiondecken.


Mit seiner luftigen Arbeit spart er den Auftraggebern teure Gerüstbauten und jede Menge Zeit. Ein Lohn der Mühe: Der Gewinn des Hessischen Gründerpreises 2006 für die "intelligenteste Geschäftsidee".

Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt
"Ich trug schon immer die Idee mit mir rum, Freileitungsmonteur oder ähnliches zu werden", sagt Marburger im Interview mit biz-AWARDS. "Aber ich habe einfach nichts gefunden."

Auf einem Weihnachtsmarkt in Frankfurt sollte sich das Blatt für den damaligen Elektriker wenden. "Ich stand mit meinem Freund da und schaute in die Höhe auf einen Steiger (Hebe- und Spezialbühnen, Anm. d. Red.), der beim Wechseln der Poster stecken blieb. Erst haben wir drüber gewitzelt: Das können wir ja besser. Kurz danach wollten wir das auch beweisen und Industriekletterer werden", erzählt Manuel Marburger.

Ausgelacht, aber weitergemacht

c-Hochhaus dt. bank.jpg
Einsatz am einem Hochhaus der Deutschen Bank(Foto: Kletter- Spezial- Einheit)
Für die ungewöhnliche Idee wurde er zunächst von Kollegen und Freunden ausgelacht. "Der Marburger, der hat sie nicht alle. Es gibt ja Steiger und Kräne, wozu sollten die euch dann brauchen", erinnert sich Marburger an einige Kommentare.

Doch ein Freund des Elektrikers fand die Idee cool und machte mit. "Und grad er hatte Höhenangst. Die haben wir später unter anderem mit Kletterübungen auf Bäumen abgebaut."

Schritt für Schritt setzte Manuel Marburger seinen Entschluss um. "Zuerst besuchte ich Kletterkurse - nach der Arbeit und während des Urlaubs. Um selbständig als Industriekletterer arbeiten zu dürfen, musste man drei Prüfungsscheine erwerben. Das dauerte zwei Jahre. Zwischen jeder Stufe müssen 600 Kletterstunden nachgewiesen werden. Aber wenn man 500 Stufen einer Windkraftanlage hinaufsteigt und von oben rausschaut, ist das schon die Mühe wert."

Jeder ein Seil und los geht´s
Kurz nach der Kletterausbildung gründeten die Freunde mit Klettergurt, Seil und 3.500 Euro eigenen Ersparnissen ihre Spezial-Einheit.

Der Jung-Unternehmer bekam zwei Wochen nach dem Start den ersten Auftrag: das Auswechseln einer Glasscheibe in einem Offenbacher Gebäude. "Ein Steiger kam an das Fenster nicht heran. Also haben wir den Auftrag bekommen. Ohne praktische Vorkenntnisse im Glas-Wechseln sind wir in 30 Meter Höhe an die Arbeit gegangen", sagt Marburger.

Stetige Expansion ohne Fremdkapital
Dem ersten Auftrag folgten weitere, wobei Marburger nichts überstürzen wollte. "Am Anfang haben wir von 24h-Bestellungen gelebt und uns gesagt: Immer schön langsam, ein Auftrag nach dem anderen, nicht zu schnell investieren. Zunächst den ersten Bus für die Geräte komplett ausstatten, dann den nächsten anschaffen."

So verzichtete Marburger nach eigenen Angaben völlig auf Fremdkapital und investierte 70.000 bis 80.000 Euro Eigenkapital in sein Unternehmen. "Ein laufender Meter Seil kostet ca. 2,50 Euro. Bei hunderten Meter Höhe kommt da schnell eine ordentliche Summe zusammen. Dazu noch Werkzeuge für spezielle Arbeiten, zum Beispiel Silikonpistolen oder Sandstrahler. Ist schon verdammt teuer, das Ganze."

Durch die bedachten Investitionen konnte die Spezial-Einheit schnell schwarze Zahlen schreiben, so Marburger: "Von 2005 zu 2006 haben wir unseren Umsatz verdoppelt."

Weit oben warten Arbeit und schöne Aussichten

Kopie von Marburger Kirche.jpg
Schöne Aussicht vom Dach einer Kirche (Foto: Kletter- Spezial- Einheit)
Mit den ersten Aufträgen zeigte sich schnell, dass in den schwierigen Höhen ein weitgehend unerschlossener Markt liegt. "Im Vergleich zu einem Steiger sind unsere Kosten 30 bis 40 Prozent niedriger. Bei einem Auftrag an einer Essener Kirchturmspitze hätte allein der Aufbau eines Gerüstes 100.000 Euro gekostet. Wir haben die gleiche Arbeit zu dritt in 3-4 Tagen erledigt", sagt Marburger.

Die kostengünstige Alternative der geschickten Gründer sprach sich schnell herum, sogar bis nach England, Dubai und Österreich. "Vor kurzem waren in der größten Sporthalle der Welt in Katar. Dort führten wir Dacharbeiten durch, nachts bei 36 Grad. Länger als eine Stunde arbeiten ging da nicht."

Am liebsten sind dem Höhenspezialisten aber Kirchtürme, wie er selbst sagt. "Es ist einfach schön, mit dem Seil an der Kirchturmspitze zu hängen, egal ob´s regnet oder stürmt. So weit oben genießt man die Aussicht besonders."

Spezialausbildung inklusive

Mittlerweile ist die Kletter-Spezial-Einheit eine GmbH und Co. KG, beschäftigt zehn Festangestellte und bildet auch selbst Höhenarbeiter aus. "Wenn Arbeiten anstehen wie auf dem 300 Meter hohen Frankfurter Commerzbankgebäude während der Fußballweltmeisterschaft, dann arbeiten schnell auch 40 Leute im Team zusammen. Da brauchen wir gut ausgebildete Installateure und Handwerker, die klettern können", so Marburger.

Besonders stolz ist der Firmengründer auf seine Erfolge, wenn er an die Lacher denkt, die seine Idee zu Beginn des Unternehmens auslösten. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Kontakt:
Manuel Marburger
Kletter-Spezial-Einheit GmbH & Co. KG
Neue Siedlung 2
63636 Brachttal
Tel.: 0179 – 3293975
kletter-spezial-einheit@web.de
www.hoehenarbeit-im-seil.de

Keine Kommentare Kommentar hinzufügen* Pflichtfelder; Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
*Name
*E-Mail
Webseite
*Kommentar
*Spam-Schutz  = SpamSchutzBild!

Flott & Gratis

Newsletter abonnieren:

Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Letzte Kommentare

News

biz-AWARDS sucht Gastautoren. Wer etwas mit Business-Wettbewerben zu tun hat, ist herzlich eingeladen, sich auf biz-AWARDS schriftlich zu verewigen. Einfach eine E-Mail an redaktion@biz-awards.de.

Ihr biz-Team :)

Beratung

Lassen Sie sich bei Ihrer Teilnahme beraten:

  • Wir arbeiten Ihre Stärken heraus
  • Wir suchen für Sie den richtigen Wettbewerb
  • Wir coachen Sie und erhöhen Ihre Gewinnchancen.

mehr Informationen...

Wettbewerbe

Wissen

Hintergrund: Heute die Idee entwickeln, morgen das Unternehmen gründen

Schleswig-Holstein hat nur 179,6 Einwohner pro Quadratkilometer. Platz genug, sich mit einer Geschäftsidee selbständig zu machen. Ein Ideenwettbewerb ... mehr

Termine:

Computer und Co:

Infos für KMU