Businessplan Wettbewerb Medizinwirtschaft

Bauernhöfe helfen gegen Heuschupfen


Bis ein neues Medikament entwickelt ist, dauert es meist mehrere Jahre. Nur knapp sechs Wochen brauchte die Jury des Businessplan Wettbewerbs Medizinwirtschaft, um die zehn besten Basis-Businesspläne der diesjährigen Runde zu ermitteln. Je 500 Euro gingen unter anderem an ein Projekt, das mit Stallstaub Allergien bekämpfen will.


Am letzten Dienstag erhielten die Preisträger der ersten Phase ihre Auszeichnungen. Insgesamt 74 Teams aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich am Wettbewerb beteiligt. Und das sind die Sieger der ersten Runde:

PROTECTIMMUN
Die Gruppe um Dr. Marion Kauth und ihr Team aus Bochum, Hamburg und Bad Oldesloe forscht auf dem Gebiet der Allergien. Ihr Ansatz basiert darauf, dass Kinder von Bauernhöfen im Schulalter nahezu immun gegen Heuschnupfen und allergisches Asthma sind.

Entscheidend dafür scheint der Stallkontakt im ersten Lebensjahr zu sein. Die Gruppe will nun die wirksamen Substanzgruppen im Stallstaub identifizieren. Tierstudien zeigten bereits erste Erfolge. Rund sechs bis acht Jahre soll es noch dauern, bis das Medikament auf den Markt kommen kann. Profitieren würden davon allein in Deutschland jedes Jahr rund 100.000 Kinder.

AVIDAL

So nennen sich Torsten Heilmann aus Bad Klosterlausitz und seine Teamkollegen aus Berlin und Oberwürschnitz. Sie entwickeln beschichtete Katheter zur Behandlung von Gefäßverengungen im Körper. Damit wollen sie auf den Weltmarkt einsteigen, der ein Umsatz-Volumen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr umfasst.

Durch die Beschichtung übertragen die neuen Katheter unter hohem Druck Medikamente in die Gefäßwand und sollen so dafür sorgen, dass diese nach der Behandlung länger offen bleiben.

IMPLATEX
Aus Aachen stammt das Team von Dr. Michael Klöppels. Es arbeitet an textilen Strukturen als Halbfertigwaren für Implantathersteller. Diese werden zusammen mit anderen Bauteilen zu kompletten Implantaten kombiniert. Genutzt wird das textile 2D- bzw. 3D-Material unter anderem zur Befestigung oder als Basis für Zellwachstum.

InCellTec

Das Aachener Team InCellTec um Daniel Mahlmann entwickelt ein lichtmikroskopisches Verfahren für die färbungsfreie Zellbeobachtung. Damit kann die Trockenmasse von Zellen bestimmt werden. Das hilft bei der Unterscheidung von gesunde Zellen und Tumorzellen.

Key-Immune
Jedes Jahr erkranken nach einer Schweizer Studie 10 bis 20 Prozent aller Milchkühe an einer Entzündung der Milchdrüse. Diese kann tödlich enden. Dr. Oleg Krut und seine Teamkollegen aus Köln und Hürth wollen das verhindern. Ein Impfstoff soll die Infektion verhindern.

Nohadani-Systems

Natürliches Meerwasser hilft bei Hautkrankheiten. Behandeltes Meerwasser hilft noch besser, dachten sich der Physiker Professor Dr. Hossein Nohadani und sein Team aus Düsseldorf und Borkum.

Zusammen entwickelten sie ein Verfahren, um Meerwasser Stoffe zu entziehen, die dem Patienten nichts nützen. Die Folge: Ein schnellerer Heilungsprozess.

NanoCrest
Mit Nanoteilchen Infektionskrankheiten diagnostizieren lautet die Zauberformel von Dr. Detlef Mueller-Schulte aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit der von ihm entwickelten Nachweismethode lässt sich unter anderem Tuberkolose schneller nachweisen.

Bisherige Methoden brauchen 48 Stunden für das Ergebnis. Die Methode von Mueller-Schulte schafft es in 30 Minuten.

DeinSport

Mit der Idee zur Entwicklung einer Onlineplattform für den Breitensport überzeugten Frank Knobloch und sein Team aus Kassel. Die Gründer planen eine vernetzte Welt des Breitensports, die mit Mehrwertdiensten angereichert wird. So können Freizeitsportler ihre Übungsdaten beispielsweise manuell eingeben und von entsprechend ausgestatteten Fitnessgeräten übertragen lassen.

Dornheim Medical Images
Die Ausgründung der Universität Magdeburg gewann mit einer Software, die Ärzten bei der effizienten und sicheren Planung von anstehenden Operationen hilft. Dafür wird statt hunderter einzelner Schnittbilder ein 3D-Modell des Patienten erstellt, die komplizierte Operationen visualisieren kann. Bereits in einem Jahr sollen die ersten Krankenhäuser mit dem System arbeiten.

Heraklit

Das Bonner Team Heraklit isoliert mit Hilfe einer so genannten molekularen Angel Zellen aus dem Gehirn, die schwer zugänglich sind.

Einsatzgebiet der Technik ist beispielsweise die Multiple Sklerose. Dort besteht bisher keine Möglichkeit, die Isolierschicht der Nervenfasern außerhalb des Körpers zu untersuchen und verschiedene Wirkstoffe zur Rettung der Zellen zu testen. Das hat sich dank Heraklit nun geändert.

Auf in die zweite Runde

Den bisher 74 Teams bleibt nun bis zum 30.11.2007 Zeit, ihre Geschäftsidee durch den Besuch von Seminaren und Fachforen auszubauen und den Businessplan zu erweitern. Mitte Dezember endet dann die zweite Phase des Wettbewerbs, bei der insgesamt 50.000 Euro auf die besten Teams warten. Ein Einstieg neuer Teilnehmer in den Wettbewerb ist weiterhin möglich.

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